Predigt von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre
am 15. Februar 1987 in Zaitzkofen
(Erteilung der Tonsur, Niedere Weihen)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Meine geliebten Freunde,
meine geliebten Brüder!

heute dürfen wir wieder zu einer Weihezermonie vereint sein. Bereits gestern hatten die Subdiakonatsweihen stattgefunden. Diese Weihen erfreuen unsere Herzen und ermutigen Sie, meine lieben Freunde, in Ihrer Seminarzeit. Die Zeit im Seminar bietet Ihnen die Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, daß Sie wirklich von Unserem Herrn Jesus Christus berufen sind. Eine Berufung besteht nicht nur aus dem eigenen Wunsch, Priester zu werden. Die Berufung ist vor allem ein Ruf der Kirche. Ebenso bestand die Berufung der Apostel aus dem Ruf Unseres Herrn Jesus Christus. Er hat sie berufen. Auf diese Weise wurden Sie heute von der Kirche berufen. Für Sie bedeutet das eine Sicherheit, eine Bestätigung der Berufung. Die Berufung beruht zwar auf Ihrer Wahl, sie wird jedoch zugleich durch diese Weihezeremonie von der Kirche bestätigt. Danken wir Gott für diese Weihezeremonie, die Ihre Berufung bestätigt.
Meine lieben Freunde, meine lieben Brüder! Besonders Sie, liebe Eltern, Ihre Kinder werden heute geweiht. Möglicherweise stellen Sie sich eine schwerwiegende und wichtige Frage: Wozu dieses Seminar in Zaitzkofen? Wozu diese Weihen? Wozu diese Einkleidung in die Soutane? Wozu die Tonsur? Wozu die Niederen Weihen? Sie haben gehört und wissen, daß heute in der offiziellen Kirche die gegenwärtige Hierarchie, die Niederen Weihen und die Einkleidung in die Soutane, abgeschafft wurden. Zweifellos ist das eine sehr wichtige Frage. Ich möchte Ihnen diese Frage auf eine sehr einfache Weise beantworten. Meine lieben Freunde, Sie sind die Nachfolger und die Erben aller Personen, die seit den ersten Jahrhunderten geweiht wurden. Sie werden heute auf die gleiche Weise geweiht. Nicht zum erstenmal werden junge Männer von der Kirche ausgewählt, um den Weg des Priestertums zu gehen. Auch Sie werden sich durch die verschiedenen Weihestufen darauf vorbereiten, die Ihnen die Kirche vorschreibt. Die erste Stufe ist die Tonsur, die den Eintritt in den Klerus bezeichnet. Durch die Tonsur erhalten Sie das Merkmal, das Zeichen des Geistlichen, das Sie von nun an von den Laien unterscheidet. Darauf folgen die verschiedenen Niederen Weihen des Ostiariers, des Lektors, des Exorzisten und des Akolythen. Diese Niederen Weihen stellen die Etappen in Richtung Priestertum und die großen Mysterien unserer heiligen Religion dar. Die Zeremonie ist nicht neu, sie ist sehr alt. Gestern, während der Subdiakonatsweihe, habe ich die sehr alten, dem hl. Papst Klemens zugeschriebenen Apostolischen Konstitutionen erwähnt, die vom Subdiakonat sprechen. Die Apostolischen Konstitutionen wurden bereits Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Jahrhunderts geschrieben. Diese Weihen wurden also nicht erst heute eingeführt.
In welchem Geist wurden diese Weihen eingeführt? Was für einen Geist hatten die Personen, die zur damaligen Zeit die Niederen Weihen empfangen haben? Ich nehme an, daß es der gleiche Geist war, in dem auch Sie sich heute befinden müssen! Ich fasse dies mit den Worten zusammen, die übrigens oft von der Kirche verwendet werden. Es ist einfach die Wiederholung der Worte des hl. Paulus: „Induimini Dominum Jesum Christum! – Zieht den Herrn Jesus Christus an!” (Röm 13, 14). Letzten Endes sind diese Worte die Zusammenfassung von allem, was Ihre Tonsur und Ihre Niederen Weihen bedeuten. Christus anziehen, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich! Ein zweiter Christus werden. Übrigens werden auch die Gläubigen durch die Taufe ein zweiter Christus. Im Falle des Priestertums verstärkt sich dies allerdings durch eine besondere Berufung mit besonderen Pflichten und besonderen Verantwortungen.
Meine lieben Freunde, das ist der Grund, weshalb wir mit diesen Weihen fortfahren, trotz der Abschaffung dieser Weihen in der offiziellen Kirche von heute. Wir erteilen diese Weihen, um treu zu sein. Wir wollen weiterhin dem Geist der Kirche, Unserem Herrn Jesus Christus, dem Geist des Evangeliums und dem Geist aller christlichen Generationen bis zu unserer Zeit treu sein.
Liebe Freunde, die Verbindung mit Unserem Herrn Jesus Christus kann nicht als gering angesehen werden. Denken Sie an die Personen, die in den ersten Jahrhunderten Christus angezogen haben: Gläubige durch die Taufe. Geistliche durch die Niederen und Höheren Weihen. Alleine die Tatsache, durch die Taufe in den Kriegsdienst Christi einzutreten oder erst recht indem man ein Mitglied des Klerus wurde, bedeutete sich der Gefahr des Martyriums auszusetzen. Unser Herr hatte es vorhergesagt: „Si mundus vos odit, scitote quia Me priorem vobis odio habuit. – Si me persecuti sunt et vos persequentur. – Wenn euch die Welt haßt, so wisset, daß sie Mich vor euch gehaßt hat. – Haben sie Mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen” (Jo 15, 18, 20). „Die Welt verfolgt Mich, auch ihr werdet verfolgt werden.” Man muß deshalb wissen, in dem Maß wir uns von der Welt trennen und wir uns mit Jesus Christus verbinden, sind wir dem Haß der Welt ausgesetzt. Wir sind dem Haß Satans ausgesetzt und dem Haß aller, die von ihm inspiriert sind, die Gott nicht gehorchen und Unseren Herrn Jesus Christus zurückweisen.
Die ganze Geschichte der Kirche zeigt dies, besonders in den letzten zweihundert Jahren. Ganze Länder und Nationen waren, besonders in den letzten zweihundert Jahren, Gegenstand von Verfolgung und Martyrium. Die Kirche wurde verfolgt, Christen gemartert, Ordensleute vertrieben und Klöster geschlossen. Sie sehen, worauf wir uns gefaßt machen müssen, wenn wir uns von der Welt trennen, uns mit Jesus Christus verbinden und Ihn nach unserem Glauben bekennen. Alleine Unser Herr Jesus Christus ist der Weg zum Heil. Jesus Christus ist Gott. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Möge Ihre Seele im Geist der Taufe, im Geist der Firmung und im Geist der Weihen vom Heiligen Geist erfüllt sein. Denken Sie an die Heiligen, die ihr Leben für Gott hingegeben haben. Sie sind hinausgegangen, um das Evangelium zu predigen. Zu den Menschen haben sie gesagt: „Ihr müßt euch alle zu Unserem Herrn Jesus Christus bekehren, wenn ihr gerettet werden wollt!” Daraufhin wurden sie verfolgt, gemartert, getötet!
Meine lieben Freunde, wir müssen uns dessen bewußt sein. Sie müssen mit diesem Geist in das Priesterleben und in den Klerus eintreten. Folgen Sie diesem Opfergeist Unseres Herrn Jesus Christus. Tragen Sie Ihm Sein Kreuz nach. Sie müssen mit Unserem Herrn Jesus Christus verbunden sein. Er ist der einzige Hirte. Er ist der einzige Erlöser. Sein ganzes Evangelium spricht davon: Er ist der Schafstall, Er ist der Hirte, Er ist die Tür des Schafstalls. Er ist der Weinstock, wir sind die Reben, wir sind die Rebzweige. Wenn wir nicht mit dem Weinstock, mit Unserem Herrn, verbunden sind, werden wir in die äußerste Finsternis geworfen. Das Verbundensein mit Unserem Herrn Jesus Christus scheidet uns von der Welt. Es macht uns zu Missionären zur Bekehrung der Welt und der von Christus losgekauften Seelen. Bitten wir darum, daß wir Verfolgungen gefaßt ins Auge sehen können.
Meine lieben Freunde, nun werde ich auf die Kernfrage von heute antworten. Wir leben in einer unglaublichen und wahrlich unwahrscheinlichen Zeit. Nicht nur die Welt, die Unseren Herrn Jesus Christus haßt, verfolgt uns. Auch von Rom, nachdem wir vom Vatikan offiziell anerkannt waren, wurden wir auf einmal verfolgt. Wir werden durch unsere Brüder und durch die Hierarchie der Kirche verfolgt. Ich frage mich immer wieder, warum? Die Antwort ist einfach, meine lieben Brüder. Die Hierarchie paktiert heute mit der Welt. Es werden Kompromisse mit der Welt geschlossen. Man reicht dieser Welt die Hand, die Unseren Herrn Jesus Christus haßt und verwirft. Unter dem Vorwand des Dialogs, des Ökumenismus, des Respekts vor der menschlichen Person und der Religionsfreiheit, reicht man den Verfolgern Unseres Herrn Jesus Christus die Hand. Das ganze Drama, das wir heute erleben, kommt daher, daß wir uns weigern und es ablehnen, mit der Welt zu paktieren. Wir weigern uns, denjenigen die Hand zu reichen, die Unseren Herrn Jesus Christus verfolgen. Wir lehnen es ab, mit der Welt in einer Art ehebrecherischem Verhältnis einen Kompromiß zu schließen. Daher werden wir von der Hierarchie der Kirche verworfen und verfolgt. Ich denke, meine lieben Freunde, daß dies für uns ein Beweis unserer Rechtgläubigkeit ist. Sicher ist dies ein Beweis dafür, daß wir uns in der Wahrheit befinden. Die mit der Welt paktieren, können es notwendigerweise nicht zulassen, daß man ihnen nicht folgt und sie nicht nachahmt. Wir wollen diejenigen nachahmen, die Unserem Herrn Jesus Christus anhangen, von ganzem Herzen, aus ganzer Seele, mit ihrem ganzen Verstand und mit ihrem ganzen Glauben. Sogar von unseren Brüdern werden wir verfolgt. Wir aber weigern uns, mit den Feinden Unseres Herrn Jesus Christus zusammenzuarbeiten. Das wäre Verrat. Wir wollen unsere liebe Mutter, die heilige Kirche, und Unseren Herrn Jesus Christus nicht verraten. Darin besteht unser ganzes Drama, meine lieben Brüder. Wir haben keine Angst. Wir werden nicht ängstlich sein, wenn wir den Märtyrern, den Heiligen der Kirche und der heiligen Tradition der Kirche folgen. Die heilige Tradition der Kirche besteht darin, Christus anzuziehen, sich mit Ihm zu verbinden und von der Welt verfolgt werden. Christus ist die Kirche! Wir wissen, daß wir in der Wahrheit sind. Wir müssen Geduld haben. Eines Tages werden sich die Dinge klären. Der liebe Gott wird es eines Tages fügen, daß die Wahrheit wieder deutlich hervortritt und seine Herrschaft wiederkehrt. Wenn wir auch jahrelang verfolgt werden, bis die Herrschaft Unsere Herrn Jesus Christus wiederkommt. Wenn es auch viele Jahre dauert, bis die Herrschaft Unseres Herrn in uns selbst, in unsere Familien, in unser Gemeinwesen, in unsere Heime und in unsere Gesellschaft kommt. Wir sind bereit zu leiden, auf daß das Reich Unseres Herrn Jesus Christus komme.
Meine lieben Brüder, ich glaube, ich mußte Ihnen dies heute sagen. Es kann sein, daß diese Situation für Sie sehr mysteriös ist. Vielleicht suchen Sie dafür Erklärungen oder Lösungen. Suchen Sie die Lösungen nicht an einer anderen Stelle! Die Schwierigkeiten, die wir heute mit der Kirche erleben, es handelt sich dabei nicht um die Kirche aller Zeiten, sondern um die Hierarchie der Kirche von heute, kommen daher, daß die Hierarchie der Kirche von heute mit der Welt paktiert. Die Kirche von heute läßt sich mit der Welt auf Kompromisse ein und will uns in diese Kompromisse mit hineinziehen. Wir jedoch wollen Unserem Herrn Jesus Christus und unserem Glauben treu sein. Das ist das ganze Problem. Wir können nichts besseres tun, als Unserem Herrn Jesus Christus treu sein. Die ganze Hierarchie der Kirche muß im Dienst Unseres Herrn Jesus Christus stehen. Wir sind daher sicher, da wir im Dienst Unseres Herrn Jesus Christus verbleiben, in der Kirche zu sein. Wir sind sicher, daß wir die Kirche fortführen und heiligen.
Die allerseligste Jungfrau Maria war ihrem göttlichen Sohn ein ganzes Leben lang treu und wird ihm in Ewigkeit treu sein. Bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria, daß Sie uns den Mut gibt, bis zum Ende standhaft zu bleiben, wenn es sein muß, bis zum Martyrium. Bitten wir sie, daß wir Unserem Herrn Jesus Christus und der heiligen Kirche aller Zeiten treu sein dürfen, selbst wenn wir Verfolgung ertragen müssen, um unsere Seelen zu retten. Bitten wir sie, uns zu helfen, die Kirche fortzuführen und die Seelen zu retten, um sie zum ewigen Leben zu führen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
 
 
Herzliche Einladung!


zur Mahnkundgebung für Gottes Gebote!

Weiterlesen...


 
Wertvolle Information für Sie!

Gerne senden wir Ihnen das monatliche Informationsblatt der Priesterbruderschaft.




 
Herzliche Einladung zur Sommerakademie




 
Nationalwallfahrt Deutschlands




 
"Fußball-Dienst" in Lamer Kirche


WM-Stimmung statt Anbetung!



 
Humor




 
Lesen Sie das...


gegen die Piusbruderschaft.



 
Dreharbeiten für den Faust-Film




 
Spenden

Helfen Sie mit!
Ihre Spende zählt!



 
Kloster Reichenstein


www.kloster-reichenstein.de



 
1000plus


Helfen Sie, tausend Babys zu retten...

Weiterlesen...


 
Mutiges Zeugnis


Das mutige Zeugnis eines Bischofs in einer unendlich peinlichen Talkschow.

Weiterlesen...


 
Jahrestag


Rücknahme des Exkommunikationsdekretes

Weiterlesen...


 
Pilgermadonna


Ab Samstag, dem 3. Oktober, wandert diese Statue durch alle Kirchen, Kapellen und Priorate Deutschlands!

Weiterlesen...


 
Die manipulierte Demokratie


Ein Kommentar zum Minarettverbot in der Schweiz.

Weiterlesen...