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"Gott wurde nun zum Erfüllungsgehilfen des irdischen Wohles der Menschen, des Fortschritts und damit der „Menschheit“ degradiert." Prof. Dr. Walter Hoeres, emeritierter Professor für Philosophie aus Frankfurt am Main, hat das jüngst erschienene Buch über die Freimaurerei von Lorenz Jäger sowie dessen Rezension in der Tagespost (28. Nov) als Anlass genommen, die freimaurerische Ideologie auf den Prüfstand der katholischen Lehre zu stellen.
Die ausgezeichnete Besprechung des Buches von Lorenz Jäger über die Freimaurer von Urs Buhlmann (DT v. 28. Nov. 2009 S. 20) ist der hervorragenden Studie des FAZ Redakteurs über den „Großen Orient“ durchaus angemessen. Nur verstehe ich nicht, warum der Rezensent seine Besprechung zu einem Seitenhieb gegen Pater Andreas Steiner und die Piusbruderschaft benutzen mußte. Zwar ist es zutreffend, daß die Kirche ihr negatives Urteil über die Freimaurerei noch 1983 bekräftigt hat. Auf der anderen Seite läßt sich nicht bestreiten, daß die zahlreichen interreligiösen Aktivitäten und Gottesdienste, die nach dem Konzil stattgefunden haben, immer noch veranstaltet werden und ihren Höhepunkt in den Assisi -Treffen fanden, in denen man getrennt und doch zusammen betete, objektiv genau d a s sind, was sich die Freimaurer wünschen und was ihren tiefsten Intentionen entgegenkommt. In der säkularen Weltöffentlichkeit mußte und muß zwangsläufig durch diese Aktivitäten der Eindruck entstehen, daß die Religionen nun endlich ihre Streitigkeiten beigelegt und sich zum Wohle der Menschheit und zur Förderung des Weltfriedens zusammen getan haben. Dieser Eindruck wird noch durch die zahlreichen innerkirchlichen Äußerungen bestätigt, nach denen wir mit den anderen Religionen und damit mit der ganzen pilgernden Menschheit zur Wahrheit unterwegs sind. Hinzu kommt der Dauerdialog mit den anderen Religionen, der nachgerade zur Pflichtübung geworden ist und das erklärte Ziel hat, den Glauben der anderen immer tiefer zu verstehen und zu würdigen. Ungewollt führen all diese Aktivitäten dazu, den Absolutheitscharakter des Christentums, der darauf beruht, daß Gott nur einmal in Christus Mensch geworden ist und Er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, zu neutralisieren und damit den Freimaurern entgegen zu kommen. Das ist auch der Grund gewesen, warum Pius XI. in seiner Enzyklika „Mortalium animos“ (1928) unter schwerer Gewissenspflicht vor solchen interreligiösen Aktivitäten, ja Zusammenkünften gewarnt hat. Wenn die katholische Kirche, wie „Dominus Jesus“ erneut bekräftigt hat, (unbeschadet des kirchlichen Charakters auch der Ostkirchen) der fortlebende Christus und d i e von Gott gewollte Heilsanstalt ist, dann ist schon der Vergleich mit anderen Religionen mißverständlich und der Begriff der „Religion“ so mehrdeutig, daß er allenfalls in analogem Sinne auf das Christentum und die anderen Religionen angewandt werden kann. Dann fragt es sich auch, was der Dialog mit denen, die sich nicht zur Anerkennung Christi als des Sohnes Gottes bereit finden und dies von vorneherein klar erklären, eigentlich soll! Man kann sich auch so anständig zueinander verhalten, ohne andauernd Moscheen zu besuchen und sogenannte Elemente der Wahrheit in den anderen Religionen aufzuspüren, die dort untrennbar mit Irrtümern und der Leugnung Christi verbunden sind! Zudem dient gerade der „echte“ und tiefgehende Dialog keineswegs dazu, sich miteinander zu verständigen, wie Habermas und die Anhänger der kommunikativen Ethik uns weismachen wollen. Ganz im Gegenteil wird in ihm erst die Tiefe der Gegensätze sichtbar – jedenfalls dann, wenn man die Wahrheitsfrage nicht zurückstellen will! Bei der ganzen Frage wird oft übersehen, daß die Aufklärung des 18. Jahrhunderts, deren Speerspitze die Freimaurerei geworden ist, in ihrer Mehrheit keineswegs die Existenz Gottes leugnen wollte und sich auch „christlich“ gab. Nur die Akzente wurden jetzt katastrophal verschoben und Gott wurde nun zum Erfüllungsgehilfen des irdischen Wohles der Menschen, des Fortschritts und damit der „Menschheit“ degradiert. Und dieses Ziel ließ und läßt sich nur erreichen durch den Zusammenschluß der Weltreligionen, wobei es eine durchaus sekundäre Frage ist, wie dieser Zusammenschluß am Ende organisatorisch erreicht wird. Aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang eine Erfahrung. Wenn ich vor dem Konzil gelegentlich in diesem Sinne über die Aufklärung und die französische Revolution vor katholischen Gremien sprach, konnte ich mit selbstverständlicher Zustimmung rechnen. Tat ich das in gleichem Sinne in den letzten Jahren und Jahrzehnten, dann schlug mir oft wütender Protest entgegen. Dabei wird jetzt immer wieder darauf aufmerksam gemacht, daß die Menschenrechte, die die Aufklärung neu definiert hat, aus der christlich-abendländischen Tradition stammten. Das ist völliger Unsinn, denn unser Naturrecht, das von der Gottebenbildlichkeit des Menschen ausgeht, ist in einem völlig anderen Kontext entstanden. Prof. Dr. Walter Hoeres, Frankfurt /Main |