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Jesuitenorden – Die Kirche wird "gegeißelt" |
Die jüngste Attacke des „Spiegel“ (Nr. 6/2010) mit dicken Lettern „Die Scheinheiligen“ und kirchenfeindlichem Titelbild ist in ihrer Art bzw. Unart ebenso unfair wie in der Sache unzutreffend. Tatsache ist vielmehr, dass die realen Daten und Fakten zu einer völlig anderen Einschätzung führen, als das linke Meinungsmagazin dies suggeriert.
Der Vatikan-Beobachter bei der UNO in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, wird in seinen Klarstellungen mittlerweile von Expertenseite bestätigt: Der Kurienvertreter hatte Ende September 2009 auf Anfrage gegenüber dem UNO-Menschenrechtsrat vorgeschlagen, in puncto Kindesmissbrauch nicht immer nur auf die katholische Kirche zu starren, sondern auch andere Konfessionen und Religionsgemeinschaften in den Blick zu nehmen und Zahlenvergleiche anzustellen.
Tatsächlich steht vor allem die katholische Kirche im Visier öffentlicher Vorwürfe, derzeit nicht zuletzt angesichts erschreckender Vorgänge im deutschen Jesuitenorden, die dann allzu leichtfertig dem katholischen Klerus als ganzem angelastet werden.
Erzbischof Tomasi wies darauf hin, dass die meisten Missbrauchs-Fälle in den USA in protestantischen Konfessionen zu verzeichnen seien. Auch die entsprechenden Skandale in jüdischen Gemeinden der USA lägen im Zahlenvergleich weit über den Missbrauchsvorfällen innerhalb der katholischen Kirche. Tomasi erklärte daher dem UNO-Menschenrechtsrat: „So wie die katholische Kirche vor ihrer Tür gekehrt hat, sollten das auch andere Institutionen tun – und zwar mit der gleichen Offenheit gegenüber den Medien.“
Inzwischen liegt genaues Datenmaterial vor, das beweist, dass die Missbrauchszahlen innerhalb der katholischen Kirche tatsächlich, wie von Erzbischof Tomasi behauptet, weit unter dem üblichen Durchschnitt liegen. Ein entsprechendes Dossier wurde unlängst von Dr. Johannes M. Schwarz veröffentlicht - hierzu der Link .
Inzwischen ist überdies klar, dass gerade die vom „Spiegel“ veröffentlichten Zahlen über Missbrauchsfälle von Priestern beweisen, dass sexueller Mißbrauch bei katholischen Geistlichen sehr viel seltener vorkommt als bei anderen erwachsenen Männern. Der Berliner Kriminal-Psychiater Hans-Ludwig Kröber erklärte am 6.2.2010 gegenüber der Presseagentur „Kipa“, die bislang vorliegenden Daten würden die Auffassung nahelegen, dass katholische Priester aufgrund ihrer geistigen Haltung weitgehend davor geschützt seien, zu Missbrauchstätern zu werden.
Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber ist Mitherausgeber des Standardwerkes „Handbuch der Forensischen Psychiatrie“. Seinen Studien zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein katholischer Priester zum Missbrauchs-Täter wird, 36-mal geringer als bei Männern, die nicht zölibatär leben.
Es bestehe nun aufgrund der einseitigen Medienberichterstattung die Gefahr, dass die katholische Kirche in einen „Selbstgeißelungs-Furor“ gerate und dazu neige, alle Anschuldigungen ungeprüft für wahr zu halten. Auch angebliche Opfer müssten durchaus akzeptieren, dass man ihre Angaben sorgfältig überprüft, so Prof. Köber. (Christoferuswerk eV.) |