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Dienstag, den 08. September 2009 um 08:24 Uhr |
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Brüderlichkeit tut Not! – Ein Kommentar
Bischof Heinz-Josef Algermissen versperrt seit 2004 der Priesterbruderschaft St. Pius X. den Dom, und dass, obwohl sich dieses Jahr wieder 1350 Gläubige in Fulda eingefunden haben. 1350 Katholiken, das würde den Dom einigermaßen füllen. Das gäbe ein schönes Bild für die Zeitung mit der Überschrift: „Katholische Kirche wieder im Aufwind“, denn die Piusbrüder sind bei weitem nicht eine Ansammlung von alten Damen und Herren, sondern bunt gemischt aus großen, kinderreichen Familien, Erwachsenen aller Altersgruppen und vielen Jugendlichen. Was könnte es also besseres geben, als den Dom zu füllen mit diesen Katholiken? Das wäre Balsam auf die Wunden einer schrumpfenden Kirche!
Doch irgendetwas passt dem Bischof aus der Domstadt nicht, so sehr, dass er diesen Wallfahrern seine Kathedrale versperrt. Gibt es vielleicht irgendwelche theologischen Irrtümer dieser Piusbrüder? Glauben sie nicht an die Gottheit Jesu Christi, oder leugnen sie, dass Gott wahrhaft und wirklich auf dem Altar gegenwärtig ist? Oder lehnen sie das Papsttum ab, wie dies die Protestanten tun? Fehlanzeige. Die Piusbrüder sind den Lehren der Kirche treu, treuer als so mancher, der sich auf seiner Lohnsteuerkarte Katholik nennt und das Jahr über die Kirche allerhöchstens zweimal von innen betrachtet, an Ostern und Weihnachten nämlich.
Das kann also der Grund für die ablehnende Haltung nicht sein. Vielleicht sind die Piusbrüder mit einem mittelalterlichen Bann belegt, beispielsweise der Exkommunikation? Auch hier ein klares Nein. Seit dem Motu proprio vom 24. Januar dieses Jahres ist die Exkommunikation, die wegen der Bischofsweihen auf vier Mitgliedern der Bruderschaft lastete – den Weihbischöfen –, aufgehoben worden. Was also stört den Bischof noch? Das ist die große Frage. Im Allgemeinen werden seit der Geste der Versöhnung des Papstes zwei Argumente ins Feld geführt, um die fortgesetzte Aufhebung jeder Brüderlichkeit mit der Piusbruderschaft zu rechtfertigen: Das erste ist die Frage nach der kirchenrechtlichen Struktur. Mit einem Satz formuliert: „Ihr, liebe Priester und Pilger, dürft nicht in meinen Dom, weil ihr keine klare kirchenrechtliche Struktur besitzt.“ Klingt ein wenig nach Prinzipienreiterei oder übertriebener Kleinkariertheit in Rechtsfragen. Immerhin beginnen in den nächsten Wochen die Gespräche mit der von Rom für die Bruderschaft neu strukturierten Kommission unter Kardinal Levada. Ziel dieser Gespräche ist ja gerade die Schaffung einer Struktur für die Bruderschaft, natürlich erst wenn alle theologischen Fragen geklärt sind. Hätte man da nicht auch sagen können: Ja, die Unterhandlungen laufen bereits an, da kann ich euch als Oberhirte gerne die brüderliche Freundeshand entgegenstrecken? So ein Verhalten hätte einfach den großen Vorteil, dass es irgendwie nach Miteinander aussieht, christliches Miteinander, das doch gerade in der nachkonziliaren Ära so groß geschrieben wird.
Das zweite Argument ist ein wie eine Munition, die in der Flinte stecken bleibt, und den verletzt, der zu schießen gedachte. Die stets wiederholte Forderung der Anerkennung des gesamten Konzils. Dieser Schuss kann wahrlich nach hinten los gehen, wie dies nicht nur der Bischof von Basel, Kurt Koch, vor Kurzem festgestellt hat. Das ganze Konzil anerkennen? Das gilt aber auch für den Bischof von Fulda und alle Priester, die sonst im Dom und andernorts in Deutschland zelebrieren. Diese Zelebrationen geschehen nämlich seit dem Konzil meist nach eigenem Gutdünken, frei gestaltet, wie man so schön sagt. Dabei heißt es im Konzil ausdrücklich: „Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern.“ (Sacrosanctum Concilium §3). Da wäre es doch angebracht gewesen, gerade deshalb die Piusbruderschaft in den Dom zu bitten. Denn die Messe, welche die Piusbrüder zelebrieren, ist genau jene der katholischen Kirche, so wie sie während des Konzils zelebriert wurde, während des II. Vatikanums und aller vorhergehenden Konzilien, bis weit über tausend Jahre zurück. Auch der Dom wurde für diese Messe gebaut, genau der Dom, den Bischof Algermissen jetzt versperrt hat.
Die Luft der Glaubwürdigkeit wird dünn für die Argumente des Fuldaer Oberhirten. Denn zu all der mangelnden Mitmenschlichkeit und dem demonstrativ verweigerten Verständnis für die Sache der Tradition kommt noch hinzu, dass auch die Messe, welche die Piusbrüder feiern, vom Papst wieder gewünscht wird. Mit dem Motu proprio vom 7.7. 2007 wurde festgelegt, dass die überlieferte, lateinische Messe nie verboten war und von jedem Priester der Kirche gefeiert werden darf.
Die Argumente gegen die Priesterbruderschaft werden sprichwörtlich weggewaschen, wie das Haus im Gleichnis der Herrn, das auf Sand gebaut war. Gott sei Dank ist der Dom in Fulda auf besserem Stein gebaut, als das Konstrukt der Beweisführung gegen die Piusbruderschaft. Unsere Empfehlung an den Bischof: Wenn der Dom wieder richtig gefüllt werden soll mit überzeugten Katholiken, die nicht exkommuniziert sind, die Gespräche mit Rom führen und die die Messe lesen, welche der Papst wünscht, dann möge seine Exzellenz ruhig selbst den Schlüssel aus dem Wandkasten holen und die große Pforte des Doms aufsperren: Es lohnt sich, nicht nur für die Gläubigen der Priesterbruderschaft, sondern auch für sein eigenes Gotteshaus. Bilder: Die leeren Kirchenbänke im Dom und der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal des Hotel Maritim beim lateinischen Hochamt im römisch-katholischen Ritus, ein Saal dessen Bühne zum Hochaltar umfunktioniert werden muss. Dieses geschieht in der Domstadt Fulda seit fünf Jahren! 
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